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https://www.3sat.de/kultur/kulturzeit/buchenwald-gedenken-absage-an-omri-boehm-100.html
Omri Boehm von Buchenwald-Gedenkfeier ausgeladen - Gespräch mit Jens-Christian Wagner
Anders als zunächst geplant wird der deutsch-israelische Philosoph Omri Boehm doch keine Rede bei der Gedenkfeier zum 80. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora halten. Die Rede solle zeitlich verschoben werden, teilte die Stiftung der Gedenkstätte Buchenwald mit. Die Entscheidung sei nach einem Gespräch mit Boehm gefallen, weil sich wegen der Einladung an den Philosophen ein Konflikt mit Vertretern der israelischen Regierung anbahne, erklärte der Stiftungsdirektor Jens-Christian Wagner.
Der sich abzeichnende Konflikt drohte den 80. Jahrestag der Befreiung zu belasten, hieß es von Wagner. "Schlimmer noch: Die vielfach seelisch verletzten Überlebenden drohten instrumentalisiert und noch weiter in diesen Konflikt hineingezogen zu werden." Der Entschluss, die Rede zu verschieben, sei gefallen, um die "Überlebenden zu schützen und in dem Wunsch, eine Gedenkveranstaltung in Erinnerung an die Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora zu gewährleisten, in der nicht eine von außen angestoßene Debatte, sondern die Überlebenden im Mittelpunkt stehen". Zu der am 6. April in Weimar geplanten Gedenkfeier werden etwa zehn Überlebende des NS-Terrors erwartet. Die israelische Botschaft in Berlin schrieb auf X, es sei empörend und eine "eklatante Beleidigung des Gedenkens an die Opfer", Boehm einzuladen. In dem Posting unterstellte die Botschaft Boehm unter anderem, den Holocaust zu relativieren.
Gedenkstättenleiter Wagner bezeichnete Boehm in seiner Mitteilung dagegen als einen international anerkannten Philosophen, Brückenbauer und Enkel einer Holocaust-Überlebenden. "Wir haben ihn als Redner zum 80. Jahrestag der Befreiung von Buchenwald und Mittelbau-Dora eingeladen, weil wir von ihm auf einem hohen Reflexionsniveau ethisch fundierte Gedanken zum Verhältnis von Geschichte und Erinnerung, insbesondere zum Wert der universellen Menschenrechte und ihrer Bedeutung mit Blick auf die NS-Verbrechen erwarten können", so Wagner. Wir sprechen mit dem Gedenkstättenleiter.