Join Nostr
2025-12-26 10:29:50 UTC

Sven on Nostr: Frohe Weihnachten an die deutsche Community hier auf Nostr. Mein neuster Artikel ist ...

Frohe Weihnachten an die deutsche Community hier auf Nostr.

Mein neuster Artikel ist da!
Diesen möchte ich gerne mit euch teilen.

Ich freue mich über jeden zap, like und jedes Feedback.

#weihnachten #nostr #einundzwanzig #deutsch #german #bildung #schule #freiheit #jugend #verantwortung #gm

Ein Lehrer trifft seine ehemalige Schülerin am Bahnhof in Bitterfeld. „Herr Schütt, Sie sind doch froh, dass wir endlich aus der Schule weg sind.“

„Froh, nein! Ihr wart mein bester Jahrgang!“

„Aber deswegen sind Sie doch froh, dass Ihre Küken nun fliegen gelernt haben und zu freien Vögeln geworden sind, die in die Welt hinausziehen.“

Genau so ereignete sich ein Treffen, das ich diese Woche hatte. Und genau dieses Treffen war der Ansporn, in mich zu gehen und diesen Artikel zu schreiben.

In einem kleinen (nicht ganz gallischen) Dorf in der Gemeinde Muldestausee in Anhalt-Bitterfeld, in der die AfD über 40 %, die Linke fast 9 % und die FDP nicht einmal 3 % zur Bundestagswahl bekam, liegt eine Gemeinschaftsschule, an der die meisten libertären Lehrer schon lange verzweifelt wären.

Und genau an dieser Schule bin ich nun seit über drei Jahren tätig.

Viele sind der Meinung, dass die Jugend immer schlimmer wird. Sie seien nicht mehr willig, Dinge anzugehen, sondern gäben sich lieber der Faulheit und der Lust hin, anstatt etwas umzusetzen.

Doch ich widerspreche dem. Unser Bildungssystem und viele Haushalte trauen den Kindern aus diversen Gründen zu schnell nichts mehr zu. Wenn man den Kindern jedoch die Möglichkeit gibt, entstehen wunderschöne Geschichten und Samen. Samen, von denen man nicht glaubte, dass sie in der Erde sind, beginnen zu blühen.

Es braucht Freiheit mit Verantwortung! Und genau das ist der Grundsatz meines Ethikunterrichts an der Schule. Freiheit ist fundamental wichtig, darin sollten sich alle Leser einig sein. Im Bildungswesen wird der Nebensatz jedoch oft vergessen. Es gibt Freiheiten ohne Verantwortung, doch das führt bei Kindern zu Orientierungslosigkeit.

Auf der anderen Seite führt Verantwortung zur Selbstwirksamkeit, aus der Engagement geboren wird – und dieses wiederum macht uns glücklich. Und genau das müssen wir wieder in die Schulen tragen! Wir müssen den Kindern etwas zutrauen.

Meine Erfahrungen an der Schule zeigen, dass Kinder gestalten wollen und nicht konsumieren möchten. Der blinde Konsum und die Abgabe von Verantwortung wurden ihnen antrainiert. Dabei sind Kinder von Natur aus neugierig und gestaltungsfreudig. Jedes Kind im Alter von zwei bis vier Jahren erobert spielerisch seine Welt. Warum also nicht die Schüler? Warum trauen wir ihnen diese Eigenschaft der Selbstwirksamkeit nicht mehr zu?

Der letzte Jahrgang, den wir diesen Sommer verabschiedet haben, zeigt, dass es anders geht. Wenn wir Kindern die Möglichkeit geben, selbstwirksam zu sein, ergreifen sie diese Chance.

Wenn die Schüler verstanden haben, dass Freiheit mit Verantwortung einhergeht, bekommen sie im Unterricht die Chance, ihre eigene Verfassung zu erstellen. In dieser Verfassung legen sie – abweichend von der Hausordnung – ihre eigenen Rechte und Pflichten fest.

Sie erstreiten sich ihre Freiheiten, die sie verantwortungsvoll umsetzen wollen. Denn auch die Schüler legen die Bestrafungen bei Verstößen gegen diese Verfassung selbst fest. Die Kreativität der Schüler ist dabei meist größer als die der Lehrer. So hat eine Klasse als Konsequenz eines Regelbruchs die Strafe erfunden, zehn Minuten lang den Mülleimer zwischen die Beine zu nehmen und daran riechen zu müssen.

Die Schüler wollen mitwirken und ihren Alltag gestalten. So sehen wir es auch bei unserem Busbegleiter-Projekt an unserer Schule, bei dem ich die Ehre habe, es zu leiten. Die Schüler, die sich für dieses Projekt bewerben, werden von der Polizei, dem DRK und dem Busunternehmen in einem dreitägigen Kurs ausgebildet, um für Recht und Ordnung an der Bushaltestelle und im Bus zu sorgen. Dieses Amt wird von den Schülern sehr ernst genommen, sie organisieren sich auf dem Weg zur und von der Schule selbst. Der Lohn der Schüler? Eine ruhigere und entspanntere Busfahrt.

Genauso sind die Schüler an ihrer finanziellen Freiheit interessiert, weswegen wir an der Schule ein Bitcoin-Projekt eingeführt haben. Damit wollen wir den Fragen der Schüler gerecht werden und ihnen die Möglichkeit geben, selbst souverän ihre eigene Wallet mit ihrem eigenen Geld zu verwalten. Dieses Projekt, das erst Anfang dieses Jahres gestartet ist, war mit über 80 Teilnehmern gleich ein Riesenerfolg. Genauso ist das Planspiel Börse jedes Jahr ein großes Thema an unserer Schule, bei dem die Schüler in einem Wettkampf den Umgang mit Wertpapieren spielerisch lernen.

Und diese Möglichkeit, selbstwirksam zu werden, tragen die Schüler aus der Schule hinaus ins Leben. Unser Jugendgemeinderat blüht wieder auf und veranstaltet viele Feste. Viele unserer Schüler trauen sich wieder etwas zu und versuchen, den erweiterten Bildungsabschluss zu erlangen, indem sie nach der 10. Klasse an ein Gymnasium wechseln.

Sie wollen lernen, wie sie ihr eigenes Leben besser gestalten können – vom Aufräumen des Zimmers bis hin zum Vertreten von Werten und Normen. Sie wollen ihre Welt verbessern, wenn sie in der Schule Optimismus erfahren und die Möglichkeit erhalten, selbst zu wirken! Es liegt an uns, mit gutem Beispiel voranzugehen, den Pessimismus aus dem Lehrplan zu streichen, optimistisch zu sein und den Kindern die Tools an die Hand zu geben, wie sie ihr Leben verbessern können. Dann müssen wir ihnen das Vertrauen geben, ihr Leben selbst zu gestalten.

Glück ist nichts anderes als das Resultat von Selbstwirksamkeit und der Übernahme von Verantwortung. Selbst die Kinder verstehen schnell, dass der bedeutungslose Konsum sozialer Medien nicht glücklich macht. Die Jugend ist nicht unmotiviert und unwillig, sie wird nur zu wenig gefordert und ernst genommen. Wir trauen ihnen nichts mehr zu! Freiheit sollte praktiziert und verteidigt werden, statt sie den Kindern und Jugendlichen einfach zu schenken.

Unsere Aufgabe als Erwachsene ist folgende:

Wir sollten den Kindern viel mehr Vertrauen entgegenbringen und ihnen Raum für die Übernahme von Verantwortung geben.

Wir müssen konsequent in unseren Regeln sein. Diese sollten klar und leicht verständlich sein. Und natürlich müssen wir diese Regeln als Vorbilder selbst leben. Rauchen oder trinken wir vor den Kindern und verbieten es ihnen dann? Zwingen wir sie zum Sport, obwohl wir selbst keinen machen? Sitzen wir den ganzen Tag am Handy, aber verbieten es den Kindern? Denn Kinder folgen Taten, nicht Worten!

Die Generation, über die so viele klagen, kann die freieste und kompetenteste werden – wenn wir sie nur lassen.

Wir unterschätzen unsere Jugend. Freiheit funktioniert, wenn man sie ernst nimmt. Ich sehe das jeden Tag in der Schule. Die Kinder sind hungrig nach Selbstwirkung, nach der Verbesserung ihres eigenen Lebens und danach, ernst genommen zu werden, statt etwas geschenkt zu bekommen, wofür sie nichts tun mussten. Das konnten wir auch bei der Juniorwahl an unserer Schule beobachten, bei der die FDP 9,7 % der Stimmen erhielt.

Wir sollten dieses Verlangen der Schüler nach Selbstwirkung und Freiheit ernst nehmen.

Die Schülerin aus dem Anfangsbeispiel berichtete mir in dem Gespräch, wie viele ihrer Mitschüler selbstständig ihr Leben nun bestreiten und glücklich mit ihren Entscheidungen sind.

Das bedeutet, dass wir den Mut wiederfinden müssen, zu fordern, statt blind zu fördern, um den Kindern zu helfen, ihr Glück zu finden.