Sie ist die Kaskade ihrer Verlagerung.
1971 fiel die äußere Geldgrenze.
Nach Dotcom wurde der Bruch durch billigen Kredit in den Immobilienmarkt verschoben.
2008 wurden private Verluste auf Banken, Staaten und Zentralbanken übertragen.
2010 erreichte die Krise die europäischen Staatsanleihen.
2020 verschmolzen Fiskal- und Geldpolitik endgültig:
Die Staaten emittierten.
Die Zentralbanken kauften.
2023 zeigte SVB, was geschieht, sobald die Zinsen wieder steigen:
Selbst Staatsanleihen werden zum Verlustträger.
Heute liegt der gesamte Überbau auf dem Bondmarkt:
Bankbilanzen, Pensionen, Versicherungen, Referenzzinsen und staatliche Refinanzierung.
Doch der letzte Käufer ist längst kein freier Marktteilnehmer mehr.
Banken absorbieren Staatsanleihen über Liquiditäts- und Sicherheitenregeln.
Pensionskassen und Versicherungen über Duration-Matching.
Zentralbanken über Reinvestitionen, QT-Pausen und im Endstadium über direkte oder indirekte Renditekontrolle.
Stablecoins bilden die neueste Stufe:
Menschen weltweit fliehen in digitale Dollar.
Tether und andere Emittenten verwandeln diese Nachfrage in Nachfrage nach kurzfristigen US-Staatsanleihen.
Argentinien zeigt die geopolitische Ergänzung:
Krisenstaaten werden über IWF-Programme, Dollarreserven und Swap-Linien im Dollarraum stabilisiert und zugleich tiefer an dessen monetäre Architektur gebunden.
Doch der entscheidende Unterschied zu früher lautet:
Die Puffer sind aufgebraucht.
Die Zinsen wurden bis an die Nullgrenze gedrückt.
Die Zentralbankbilanzen wurden aufgebläht.
Die Staatsschulden wurden erhöht.
Die Kaufkraft wurde abgeschöpft.
Die industrielle Substanz wurde ausgedünnt.
Die privaten Rücklagen wurden durch Inflation, Energiepreise, Abgaben und Vermögenspreisinflation belastet.
Was früher über Reallohnverluste, Sparvermögen und Konsumverzicht absorbiert werden konnte, trifft heute direkt auf Nachfrage, Kreditfähigkeit und Unternehmenssubstanz.
Die Elastizität des Systems fällt gegen null.
Steigen die Zinsen, zerlegen Durationverluste, Refinanzierungskosten und Zahlungsausfälle den Bondmarkt.
Bleiben die Zinsen künstlich niedrig, läuft die Bereinigung über Inflation, finanzielle Repression und Währungsentwertung.
Das System kann deshalb nicht mehr bereinigt werden, ohne seine tragenden Wände zu zerstören.
Also wird jeder Fluchtreflex in Nachfrage nach genau jenen Schulden umgeleitet, auf denen der Überbau ruht.
Das ist kein freier Bondmarkt mehr.
Das ist eine permanente Absorptionsarchitektur.
Und am Ende zahlt der Mittelstand:
durch Inflation, Steuern, höhere Finanzierungskosten, Nachfrageverlust und den schleichenden Verbrauch seiner wirtschaftlichen Substanz.
Die letzte Reserve des Systems ist nicht die Zentralbankbilanz.
Es ist der Mittelstand.
Und genau dieser Puffer ist fast aufgebraucht.
